DER WEG ZUM AZUBI


Was ist zu tun, wenn man einen Auszubildenden einstellen möchte? Für Betriebe, die bereits ausgebildet haben, kein Problem - wohl aber für Unternehmer, die sich damit bisher nicht befasst hatten. Für diese wurden nachfolgend Hinweise zusammengestellt, wie ein Azubi erfolgreich gesucht, eingestellt und ausgebildet wird - alles unter dem Aspekt des Azubi-Sharing. Die nachfolgenden Checklisten und Dokumente basieren auf Word und Excel, stehen zum Download frei verfügbar. Die angegebenen Beispiele basieren auf der Kooperation der Weyer GmbH und Nebel Verlag GmbH, die gemeinsam einen Bürokaufmann ausbilden.

Inhalt:
Grundsätzliche Überlegungen
Partnerbetriebssuche für Azubi-Sharing
Die Suche nach einem Azubi
Vertragsvorbereitung
Der Azubi kommt

Grundsätzliche Überlegungen
Welche grundsätzlichen Überlegungen sollten vor dem ersten Schritt angestellt werden?

1.
Welchen Ausbildungsberuf kann man selbst ausbilden oder mit ausbilden? 
Nicht jeder Beruf ist hierzu geeignet, Informationen über die gesamten Ausbildungsberufe gibt es bei der IHK auf deren Homepage

2.
Welche Vergütung soll man zahlen?
Grundsätzlich empfiehlt es sich, daß Tarifgehalt für Auszubildende zu zahlen. Da man sich die Kosten teilt, ist es das mindeste, was man anbieten sollte. Und in der freien Wirtschaft ist es nun einmal so, daß die guten Bewerber natürlich auch auf das Geld schauen, neben allgemeinen Punkten wie Arbeitsplatz, nette Kollegen usw. Ob dann noch zusätzlich ein Weihnachts- und Urlaubsgeld gezahlt wird, ist individuell unterschiedlich.

Als Beispiel erhält ein Bürokauffrau-/mann lt. Tarifvertrag 2004 West folgende Vergügungen:
- im 1. Ausbildungsjahr: 620 Euro monatlich
- im 2. Ausbildungsjahr: 679 Euro
- im 3. Ausbildungsjahr: 745 Euro

3.
Wie lange dauert die Ausbildung?
Unterschiedlich lang, je nach Ausbildungsberuf. Beim Bürokauffrau/-mann sind es 3 Jahre, die aber verkürzt werden können:
- Mittlere Reife: - 1/2 Jahr
- Alter über 21 Jahre: - 1/2 Jahr

Auch besonders gute Leistungen, Fachhochschule oder Berufserfahrungen können zu einer Verkürzung führen und müssen bei der IHK beantragt werden.

4.
Wer tritt als Leitbetrieb auf?
Der Leitbetrieb ist verantwortlich für die gesamte Ausbildung: Er tritt gegenüber der IHK als Lehrbetrieb auf und unterzeichnet den Lehrvertrag mit dem Auszubildenden. Der Leitbetrieb benötigt eine Ausbildungsberechtigung von der Handwerkskammer oder IHK, nicht aber der Delegationsbetrieb.
Wer letztendlich als Leitbetrieb auftritt, muß unter den Partnern vereinbart werden.

5.
Wie erfolgt die Kostenaufteilung?
Dafür gibt es keine Vorschriften, allerdings empfiehlt es sich, die Kosten entweder zu gleichen Teilen oder nach Aufenthaltsdauer aufzuteilen. Wobei auch hier eine Einigung darüber erfolgen sollten, welche Kosten hierbei berücksichtigt werden. Ein Leitfaden:

Aufzuteilende Kosten sind:
- Ausbildungsvergütung einschließlich Sozialabgaben
- Berufsgenossenschaft
- Fahrtkosten
- Arbeitsmaterial
- Weiterbildungskurse (außer firmenbezogene Fachkurse)
- Prüfungskosten
- Überbetriebliche Ausbildung

Individuell zu tragende Kosten sind:
- Einrichtung des Arbeitsplatzes
- Kosten des Ausbilders
- Zusätzliches, firmenspezifisches Lehrmaterial

Es empfiehlt sich, über die entstehenden Kosten eine separate Auflistung zu führen und in regelmäßigen Zeiträumen zu verrechnen, damit nicht auf einmal eine übermäßig hohe Summe entsteht.


Partnerbetriebe für Azubi-Sharing
1.
Kann der Partnerbetrieb diesen Beruf gleichwertig mit ausbilden? 
Ideal wäre, wenn der Partnerbetrieb eine Ergänzung zu der eigenen Ausbildung darstellt. Damit erhält der Azubi tatsächlich eine sehr hochwertige Ausbildung.

2.
Wie können fehlende Ausbildungsteile ergänzt werden?
Die meisten Kleinbetriebe haben keine eigene Buchhaltung, d. h. die Punkte der vollständigen Buchhaltung und Personalverwaltung (Gehaltsabrechnug etc.) können nicht mit abgedeckt werden. Hier empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Steuerberater, daß er den Azubi für einige Wochen übernimmt - in diesem Fall natürlich wird das Ausbildungsentgelt weiterhin von den Ausbildungsbetrieben alleine getragen.

3.
Welche Betriebe sind als Partnerbetriebe geeignet?
Das wichtigste ist das persönliche Miteinander - die Chemie muß stimmen zwischen den Inhabern, denn damit lassen sich auch auftretende Probleme besser lösen als über jeden noch so umfangreichen Vertrag. Meist kennt man sich über lokale Gewerbeverbände, Interessenverbände - oder einfach über die Nachbarschaft oder Tennisclub.

Direkte Wettbewerber vor Ort mögen im Einzelfall funktionieren, die Gefahr eines Interessenkonfliktes ist aber vorhanden. Besser ist ähnlich strukturierte Betriebe oder völlig unterschiedliche Branchen. In unserem Fall sind wir eine Handelsvertretung im Bereich der Luftfahrt, unser Partner ist das Vertriebsbüro eines Verlages - beide also vertriebsorientierte Unternehmen mit Fakturierung, Lagerverwaltung etc., aber in völlig unterschiedlichen Branchen tätig und keinerlei Berührungspunkte. Wenn überhaupt könnte eher ein Vorteil darin liegen, daß ein positiver Informationsfluß z.B. über günstige Lieferantenquellen uns einen Vorteil bringt.


Die Suche nach einem Azubi
1.
Welche Qualifikationen muß der Lehrling mitbringen, welche sollte er haben? 
In unserem Betrieb beispielsweise müssen wir gute Englischkenntnisse voraussetzen, da unser Kundenkreis großenteils nur Englisch spricht. Es empfiehlt sich also, eine Muß- und Wunsch-Qualifikation mit den Partnerbetrieben abzusprechen.

2.
Wie finde ich einen Auszubildenden?
Zunächst einmal über das Arbeitsamt: Viele Schüler gehen dorthin und informieren sich über mögliche Ausbildungsberufe und werden zugleich vom Arbeitsamt (oder wie es jetzt heißt: Agentur für Arbeit) registriert. Dort werden auch nur diejenigen Kandidaten über die offene Stelle informiert, die vom Profil her in Frage kommen.

Darüber hinaus gibt es natürlich die üblichen Anzeigen in der Tageszeitung oder Anzeigenblättern und - nicht zu verachten - auch einige Internet-Portale, die Online-Bewerbungen zulassen, teilweise auch über die Handwerkskammern oder Branchenvertretungen organisiert.

3.
Wer führt die Bewerberauswahl durch?
Verantwortlich natürlich der Leitbetrieb, doch ist es selbstverständlich, daß die Auswahl gemeinsam getroffen wird. Es empfiehlt sich, daß die erste Selektion von Bewerbungen nach festgelegten Kriterien durchgeführt wird und die Bewerbergespräche gemeinsam geführt werden. Als Beispiel einer Bewerbungsübersicht ist das Dokument der Weyer GmbH hier zum Download beigefügt.


Vertragsvorbereitung
1.
Welchen Ausbildungsberuf kann man selbst ausbilden oder mit ausbilden? 
Nicht jeder Beruf ist hierzu geeignet, Informationen über die gesamten Ausbildungsberufe gibt es bei der IHK auf deren Homepage

2.
Kann der Kooperations-Vertrag auch gekündigt werden?
Natürlich sollte die Kooperation kündbar sein, wenn es unvorhersehbare Schwierigkeiten gibt oder ein Partner finanziell in größere Schwierigkeiten gerät. Dieses darf aber nicht den Azubi selbst betreffen, d.h. sein Ausbildungsvertrag läuft mit dem Leitbetrieb weiter. Es muß ggfs. ein neuer Delegationsbetrieb gefunden werden, der dann einspringt.

3.
Wie sieht der Ausbildungsvertrag aus?
Es wird ein ganz normaler Ausbildungsvertrag geschlossen, die IHK hat in der Regel entsprechende Vordrucke verfügbar. Im Feld "Sonstige Hinweise" wird dann allerdings darauf hingewiesen, daß eine Ausbildungs-Kooperation stattfindet.

Weiterhin empfiehlt sich ein kurzer Zusatzvertrag, in dem folgende Punkte erwähnt werden:
- Es handelt sich bei der Ausbildung um eine Ausbildungs-Kooperation bzw. Azubi-Sharing
- Ein Teil der Ausbildung wird in folgenden Delegationsbetrieben durchgeführt: XXXXXXX
- Weitere Ausbildungsorte und -betriebe sind möglich, wenn es für die Ausbildung von Vorteil ist
- Alle Pesonalfragen (Gehalt, Urlaub) werden mit dem Stammbetrieb vereinbart, wobei eine Abstimmung mit dem Delegationsbetrieb eforderlich ist.
- Stillschweigen und Geheimhaltung über sämtliche Geschäftsvorgänge der Betriebe, auch zwischen den Betrieben, soweit es nicht für die Überwachung der Ausbildung erforderlich ist.
- Nach Ausbildungsende werden alle Geschäftsunterlagen, MUster etc. an das jeweilige Unternehmen zurückgegeben.


Der Azubi kommt
1.
Die Begrüßung
Natürlich sollte der Azubi gemeinsam begrüßt werden am ersten Tag. Hierbei empfiehlt es sich, daß der erste Tag zu einem Rundgang durch die teilnehmenden Betriebe genutzt wird, um die Räumlichkeiten und Mitarbeiter kennen zu lernen. Dann beginnt der Azubi seine Ausbildung normalerweise zunächst im Leitbetrieb.

2.
Wie sollte die zeitliche Einteilung idealerweise laufen?
Eine tagesweise Einteilung macht wenig Sinn, da er sich so in keinen Betrieb richtig einarbeiten kann. Es sollten Blöcke geschaffen werden von mehreren Monaten in dem einen und im anderen Betrieb. Der Leitbetrieb sollte ihn zuerst einarbeiten und in die Lernmethoden einweisen, auch sollte er möglichst vor Prüfungen im Leitbetrieb sein, damit diese gemeinsam vorbereitet werden können.
Bei der Aufteilung sind Berufsschul-Unterricht (teilweise auch Blockunterricht) und Urlaub zu berücksichtigen, ebenso wie Betriebsferien.

3.
Wer ist für die Beurteilung des Azubi zuständig?
Natürlich der Leitbetrieb. Der Azubi ist verpflichtet, wöchentliche Berichtshefte zu erstellen, die er auch während seines Aufenthaltes im Delegationsbetrieb zwar dort abzeichnen lässt, dann aber dem Leitbetrieb zur Verfügung stellt, damit dieser einen Überblick über die Ausbildung erhält.

Zum Abschluß erhält der Azubi mit dem Tag der Abschlußprüfung sein Lehrzeugnis auch vom Betrieb. Hier empfiehlt es sich, daß auch die Delegationsbetriebe zwar zum Gesamtzeugnis des Leitbetriebes beitragen, dem Azubi aber ein zusätzliches Zeugnis ausstellen. Damit hat der Azubi bei einer späteren Stellenbewerbung größere Chancen.

4.
Wer entscheidet, wann der Azubi Urlaub nehmen kann?
Da der Leitbetrieb der Vertragspartner des Azubi ist, trägt er auch die personelle Verantwortung und ist damit primärer Ansprechpartner für Urlaub. Da Urlaub nur in den Schulferien genommen werden kann, muß das bei der grundsätzlichen Planung berücksichtigt werden. Ist der Azubi während der gewünschten Urlaubszeit im Delegationsbetrieb, ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, daß zunächst dort auch der Urlaubswunsch abgeklärt und dann erst im Leitbetrieb angemeldet wird.

5.
Was passiert bei längerem Krankeitsausfall?
Fällt der Azubi für mehrere Wochen unvorhergesehen z.B. aus Krankeitsgründen aus, sollte mit den Partnerbetrieben eine Ausgleichszeit vereinbart werden, damit wieder Gleichstand hergestellt wird.

6.
Wer vermittelt welche Lehrinhalte?
Zwischen den Lehrbetrieben sollte noch vereinbart werden, wer welche Lehrinhalte aus der Ausbildungsverordnung vermittelt.